#5 Warum eigentlich nicht

Aus der Blognaacht vom 06.02.2026

Als ich mit achtzehn meinen Führerschein gemacht habe, wollte ich unbedingt auch den für das Motorrad machen. Es war einer meiner ganz großen Träume auf einer Moto Guzzi durch die Landschaft zu bollern. Ich liebte einfach ihren Klang und das sie italienisch waren. Schon mit fünfzehn wünschte ich mir ein Jahresabonnement einer einschlägigen Fachzeitschrift zu Weihnachten, sog jedes einzelne Wort der Redakteure in mich auf und konnte fast jeden Bericht über eine Moto Guzzi auswendig rezitieren. Und so meldete ich mich in der Fahrschule natürlich auch für die Klasse 1 (die gab es damals noch) an.

Meine Mutter hat mir schon fast verzweifelt immer versucht das auszureden, aber sie biss bei mir als Teenager in der Endphase seiner Pubertät selbstverständlich auf Granit. Ich weiß gar nicht mehr genau wie es dazu kam, aber irgendwann schlug sie mir diesen Deal vor. Ich verzichte auf den Motorradführerschein und sie würde dafür meinen Autoführerschein zu Hälfte sponsoren und einen nicht unerheblichen Teil als Zuschuss zu meinem ersten Auto dazu geben. Ich bat um Bedenkzeit, bekam sie, und kam nach einiger Grübelei zu der Erkenntnis: Ja, warum eigentlich nicht!

Ich fühlte mich in dem Moment unheimlich schlecht, denn es kam mir vor als ob ich käuflich wäre.  Erst viel später schwand dieses Gefühl und schlug in Dankbarkeit um. Während meiner Berufsausbildung habe ich zwei meiner Berufsschulkollegen durch tödliche Motorradunfälle verloren und einer ist nach einem heftigen Crash fast ein ganzes Jahr ausgefallen. Der Berufsschullehrer kommentierte das lapidar mit dem Kommentar, es sei normal und der Durchschnitt von technischen Berufsschulklassen die primär aus Jungs bestehen.

Und so hat meine Mutter mich schon irgendwie gekauft, aber sie wollte mich damit nur beschützen und ich habe mittlerweile allergrößten Respekt vor ihrem Handeln damals. Sie war erleichtert,  mein Verzicht wog sie in großer Sicherheit und ich hatte in den Diskussionen darüber mit ihr das erste Mal in meinem Leben als junger Erwachsener und nicht als Heranwachsender angesehen zu werden.

Aber Jugendträume die latent in einem schmoren können schwimmen und tauchen irgendwann im Leben wieder auf. Und so habe ich mir mit über sechzig Jahren gesagt: „Warum eigentlich nicht.“ Ich habe mich in einer Fahrschule angemeldet um meinem Autoführerschein zu erweitern um zumindest Leichtkrafträder fahren zu dürfen. Es ist jetzt zwar keine Moto Guzzi aber auch Motorradfahren mit einer 125er ist toll und transportiert meine Träume von damals. Und ich glaube ich bin diesbezüglich auch noch lange nicht am Ende. Ich denke schon eine Weile darüber nach, den kleinen Verbrenner wieder abzustoßen und mir dafür ein Elektromotorrad anzuschaffen. Einfach so ganz ohne Lärm und nachhaltig durch die frühlingssonnige Landschaft zischen. Vielleicht eins mit Stollenreifen um ohne die Tiere aufzuschrecken auch am und durch den Wald surren kann. Wenn der Winterschnee werde ich mal losfahren, mir eins ansehen und probefahren. Und ich bin mir sicher, dass ich nach der Probefahrt sagen werde:“Warum eigentlichen nicht“

Antworten

  1. Avatar von frollein redselig

    Warum eigentlich nicht? Was eine schöne Erinnerung daran geschmeidig und gelenkig um Denken und Handeln zu bleiben. 🫶

    Wie schön , dass du jetzt blogst.

    heute und hier mag ich ganz besonders „Aber Jugendträume die latent in einem schmoren können schwimmen und tauchen irgendwann im Leben wieder auf.“

    liebe grüße

    das frollein redselig

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    1. Avatar von martingeraedts

      Dankeschön 🙏
      Ich freue mich sehr, dass es dir gefällt.

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