#10 Frisch gestrichen

Blognacht vom 10.04.2026

Der Winter ist grau und für mich bricht er immer schon im November an. Die Welt angestrichen in unzähligen grauen Farbtönen. Viel mehr als fifty Shades of Grey. Gar nicht mal so fürchterlich trist aber eben sehr monochrom. Eigentlich ideale Bedingungen, um Fotos in stimmungsvollem Schwarzweiss aufzunehmen. Weißer Nebel macht dann ein so unglaublich diffuses Licht, dass aussieht wie auf einer Trauerkarte. Ihr kennt doch diese edlen Karten auf deren Deckblättern ein kahler novembergrauer Baum schemenhaft in der Landschaft steht. So grau ist für mich der November. Aber am Anfang eines Winters ficht mich das alles noch nicht an. Dann finde ich diese graue im Tiefschlaf liegende Natur besonders an nebeligen Tagen sogar spannend, elegant und fotogen.

Je länger aber ein Winter dauert, desto trister und dunkler wird und wirkt der Winter auf mich. Der Dezember macht das dann schon sehr geschickt. Fällt doch in seine Zeit der kürzeste Tag des Jahres, kann er dieses Handicap sehr gut mit dem ganzen adventlichen Licht überspielen um dann in seiner letzen Woche zu Weihnachten noch mit festlichem Leuchten und Glitzer einen drauf zu setzen.

Spätestens im Januar dann möchte man endlich wieder wärmende Sonne auf der Haut spüren, aber man bekommt Eis und Schnee statt Wärme. Meistens dann auch nassen mausgrauen Schneematsch als so herrlichen Pulverschnee an knackig kalten Sonnentagen. Der Februar macht es nie besser als der Januar. Er veranstaltet an seinen Tagen immer den Karneval. Aber als Faschingsmuffel kann mich das nun wirklich nicht überzeugen und ich bin froh, wenn dann endlich Aschermittwoch ist. Man kann aber fühlen, dass der Winter so langsam seine Kraft verliert, und an guten Tagen kann man erste wärmende Strahlen der Sonne im Gesicht fühlen. Erste Boten der aufwachenden Natur trauen sich aus der Erde und jedes Schneeglöckchen, dass keck seinen Kopf durch die restliche Schneedecke steckt, zaubert einem ein Lächeln, in das vom Winter verursachte, miesepetrige Gesicht.

Im März dann packt die Natur auf einmal ihre Farbeimer aus und fängt an die Welt in drei Schichten am Tag frisch zu streichen. Überall sprießen die Frühjahrsblüher aus ihren Zwiebeln und tauchen die vormals triste Welt in allerbunteste Farben. Was, ihr mögt kein Gelb? Geht einfach ein paar Schritte weiter und ihr seht ein leuchtendes Rot. Dicke Hummelköniginnen brummen in ihrem schwarzgelben Pelz hoch konzentriert an einem vorbei um sich den besten Platz zur Gründung eines Volkes zu suchen. Obstbäume fangen an, um die Wette zu blühen. Und wenn dann die Bäume ihre ersten zarten lindgrünen Blätter treiben ist das Graue des Winters komplett koloriert.

Die Welt ist farbig und bunt! Und das in neun von zwölf Monaten. Jedes Gänseblümchen ist hübsch. Jede graue Betonwand wird durch den Schmetterling, der sich darauf sonnt zu einem Kunstwerk. Jedes zufriedene Lächeln eines Menschens im Frühling ist wie eine neue Farbnuance in der Natur. Wir müssen diese kleinen bunten Farbtupfen von Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst einfach nur wahrnehmen und daraus Energie schöpfen. Grau wird im Winter alles wieder früh genug. Aber eben nur in drei von zwölf Monaten.

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