#3 Winter Ende Januar

Als ich heute morgen mit den Collies das Haus verließ, hatte der Winter die Landschaft mit einer weißen Decke verziert und war dabei noch eine weitere Schicht darüber zu streuen. Ich mag es total gerne diese noch unberührte und verletzliche weiße Abdeckung der Natur als Allererster zu betreten und unter den warmen Winterstiefeln das Knirschen des Schnees zu hören. Und gerade wenn der Schnee noch frisch ist, glitzert die Schneedecke, wie eine weiße mit Wolldecke mit klitzekleinen Wassertropfen im Schein der Stirnlampe, die in die Landschaft drapiert wurde und zu einem sagt „Hey, nimm mich auf, koche dir einen Tee und wir kuscheln uns zusammen auf dem Sofa ein“. Ich mag auch so klirrend kalte Tage mit Wintersonne, die so unglaublich weiches Licht macht. Wenn dazu noch Schnee oder Raureif liegt und die so bekannte Landschaft völlig anders aussehen lässt und man viele neue Facetten der Gegend wahrnimmt, von der man glaubt, nun wirklich jeden Grashalm zu kennen. Dann gibt es immer fantastische neue Perspektiven. Und wenn man von so einem Spaziergang wieder heimkommt, dann kocht man sich einen heißen Tee, wärmt sich in der mollig geheizten Küche auf und schwatzt am Küchentisch mit seinen Liebsten. Ja, es gibt schon richtig schöne Momente im Winter, von rodeln mit den Kindern oder Enkel, oder gemeinsam Gekochtes, was dann an großer Tafel mit tollen Gesprächen am knisternden Ofen- oder Kaminfeuer genossen wird, ganz zu schweigen.

Aber so ganz, ganz langsam werden diffuse Bilder in meinem Kopf Stück für Stück deutlicher. So sehe ich Schneeglöckchen die keck ihre ersten Blüten durch die verrottende Schicht des gefallen Laubes des letzten Herbstes stecken. Ich sehe Krokusse die lila-, gelb- und weißblühend auf dem Rasen stehen. Die ersten Hummelköniginnen summseln durch die Gärten auf der Suche nach dem besten Platz ein ganzes Volk zu gründen. Weidenkätzchen, Erlen und Haseln lassen allergische Menschen an den Pollen niesend verzweifeln. Die ersten Zugvögel kommen wieder und sorgen beim Sonnenaufgang für ganz neue Klänge im Konzert der ausgeschlafenen Piepsies. Igel und sonstige Winterschläfer werden wieder wach, fangen an sich was zu fressen zu suchen und die Sonne hat schon wieder so viel Kraft, dass man an geschützten Ecken im T-Shirt ihre Wärme auf der nackten Haut fühlen kann.

Können wir uns nicht darauf einigen, dass der Winter sich jetzt noch im Januar austoben darf, wir den Februar ganz auslassen und machen gleich mit Frühjahr weiter?

Also ich wäre jetzt Frühlingsreif. 

 

Antwort

  1. Avatar von Alexandra Bovenschen

    Oh, da muss ich gestehen, ich bin das genaue Gegenteil. Ich hasse Winter, Schnee, Kälte und die Dunkelheit in diesen Monaten! Ich würde mich da am liebsten in Winterschlaf begeben.

    Aber der Jänner ist jetzt am Wochenende endlich geschafft! Langsam geht es aufwärts und ich freue mich auf die ersten warmen Tage.

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