Blognacht vom 09.01.2026
Ich weiß gar nicht mehr warum gerade ich ausgewählt wurde, aber jedenfalls hat dieser Umstand mein Leben extrem geprägt.
Einige mögen sich erinnern, Andere waren damals noch gar nicht auf der Welt, aber es geht zurück im den Winter 1978/1979. Ich war noch nicht lange in der Jugendfeuerwehr, vielleicht so ein oder eineinhalb Jahre, hatte meine ersten offiziellen Wettkämpfe und das erste Kreiszeltlager hinter mir und die damalige Schneekatastrophe ließ tagelang die Schulen ausfallen. Das Feuerwehrhaus war nicht weit von uns entfernt und so sagte ich meiner Mutter Bescheid, dass ich mal bei der Feuerwehr vorbeisehen wollte. Sie war froh, dass ich mal raus ging und so schlitterte ich in meiner Neugierde los Richtung Gerätehaus um zu sehen ob dort irgendetwas los sei. Und klar war was los! Einige Fahrzeuge waren ausgerückt und die Feuerwehrleute die da waren waren sehr beschäftigt und befanden, dass wenn wir Jugendfeuerwehrjungs könnten wir uns auch nützlich machen. Ich war nämlich damals nicht der einzige Bub, der diese Idee hatte. Und auf einmal waren wir als 14 Jährige in das Einsatzgeschehen einer Katastrophe eingebunden. Wir nahmen die Thermen mit Verpflegung die die Feuerwehrküche ins Gerätehaus gebracht hat, annehmen und die Einsatzkräfte mit Speisen und Kaffee versorgen. Wir sind den Männern zur Hand gegangen als bei weiteren Fahrzeugen noch Schneeketten aufgezogen wurden und als die Dämmerung einbrach wurden wir heimgeschickt mit dem Auftrag am nächsten Morgen wieder zu erscheinen. Damals war mir nicht klar, dass der nächste Tag mein Leben schon massiv beeinflussen würde.
Zwei Jahre zuvor war mein Vater gestorben und irgendwie gab mir die Jugendfeuerwehr Halt. Beim Abendbrot erklärte ich meiner Mutter ich würde am nächsten Tag im Gerätehaus gebraucht. Natürlich nahm sie mich nicht wirklich Ernst, aber sie nickte mit einem süffisanten „Natürlich“ ab, wohl der Meinung gleich wieder heimgeschickt zu werden. Also schlitterte ich am nächsten Tag wieder zum Gerätehaus. Der Ortsbrandmeister teilte mich nach meiner Ankunft ein, auf dem Schlauchwagen als Begleitung mitzufahren um einige Menschen zur Dialyse zu bringen. Ich, dass 14 jährige Jugendfeuerwehrgreenhorn erlebte so meinen ersten Einsatz.
Wir holten vier Menschen aus ihren Häusern ab, die schon geschwächt und erschöpft waren, aber ich sah ohne irgendwelche Worte das erste Mal diese unbeschreibliche Dankbarkeit in den Augen der Menschen, dass wir sie zu ihrer lebensrettenden Dialyse nach Oldenburg fahren würden. Keiner hätte das bei diesen katastrophalen Bedingungen und Fahrverbot für den Privatverkehr schaffen können, aber die Feuerwehr mit Allrad und Schneeketten auf ihren Lastern mit mehreren Sitzplätzen konnte das. Und ich war als Jugendlicher unglaublich stolz Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Das war für mich das Initialerlebnis mich so intensiv in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Ich konnte als junger Bub zu Menschen aufschauen, die für mich Vorbilder in Menschlichkeit wurden und die vielleicht sogar in manchen Situationen die Vaterfigur meines verstorben Vaters einnehmen konnten. Später habe ich die Kostbarkeit der Menschen die sich in Hilfsorganisationen bei vielen Einsätzen in den Augen der Menschen denen geholfen wurde immer wieder sehen können.
Wer weiß schon wie mein Leben ohne die Fahrt durch eine Schneewüste mit Schneeketten sonst verlaufen wäre.
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